Vertrauen, Kommunikation und Controlling

By 2009/06/18Medien, Politik

Die PMG Presse Monitor lud heute Kommunikationsexperten und Kunden zur Diskussionveranstaltung in die BMW Welt nach München.

Unter der Leitung von ARD-Dauerbrenner Sven Kuntze diskutierten Prof. Dr. Günter Bentele von der Uni Leipzig, PMG-Analyst Andree Blumhoff, Christian Kroos, Leiter externe Kommunikation der Allianz SE und Dr. Jörg E. Allgäuer (HVB), Autor des Buchs “Vertrauensmanagement: Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser” über die Themen Medienbeobachtung und Kommunikations-Controlling.

PMG Forum: Prof. Bentele, Dr. Allgäuer, Christian Kroos und Sven Kuntze

PMG Forum: Prof. Bentele, Dr. Allgäuer, Christian Kroos und Sven Kuntze

Medienresonanzanalysen gibt es seit rund 15 Jahren. Die Methoden ändern sich ständig und müssen auch an die sich wandelnde Medienlandschaft angepasst werden. Kommunikations-Controlling wird in jedem Unternehmen anders gehandhabt. “Kommunikations-Contolling bedeutet bei manchen Unternehmen noch, dass der Pressesprecher zwei Mal im Jahr mit den gesammelten Presseausschnitten zum Chef geht”, so Prof. Bentele. Wichtig ist heute aber, dass das Unternehmen die Analyse der Medien ernst nimmt und in die tägliche Arbeit einfließen läßt. Christian Kroos: “Beim Kommunikations-Controlling gehört auch eine Portion Bauchgefühl dazu. Die Analyse muß auch intern gelebt werden.”

Die Teilnehmer stellen fest, dass sich die Kommunikationskultur insgesamt verändert hat. Das Tempo bestimmt immer mehr die Berichterstattung – auch und gerade durch Online-Medien forciert. Zusätzlich erschweren Impulsveranstaltungen die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Journalisten. Wärend die einen ihre Informationen an den Mann bringen möchten, sind die Journalisten auf der Suche nach einer “Story”. Prof. Bentele: “Die Unternehmen wollen Konsistenz in der Berichterstattung, die Journalisten suchen Konflikte. Das ist ein ewiger Kampf und der hat auch sportliche Momente”. Fehler in der Berichterstattung kommen heute häufiger vor, auch aufgrund der Schnelligkeit der Berichterstattung; aber sie haben heute eine andere Bedeutung, als zu analogen Zeiten – “Das Netz vergisst nie!“.

Für die Medienbeobachtung und -analyse ebenfalls erschwerend ist die Tatsache, dass die Medienlandschaft immer partikularer wird. Und selbst im Unternehmen müssen Medien für die unterschiedlichsten Stakeholder ausgewertet werden. “Wer liest was? Der CEO liest andere Medien, als die Mitarbeiter. Das muss bei der Auswertung berücksichtigt werden”, so Jörg E.Allgäuer.

Auch das Thema Vertrauen in der Krise wurde diskutiert. Es wurde deutlich, dass es nicht genügt Transparenz zu schaffen, wenn eine Krisensituation vorliegt. Transparenz sollte dauerhaft gelebt werden. Von Vertrauenskrise wird in diesen Wochen häufig gesprochen. Was versteht man aber darunter als Unternehmen? Als Kunde? Ist es Vertrauenskrise, dass das Unternehmen, z.B. die Banken generell nicht mehr sicher sind? Oder ist Vertrauenskrise die Befürchtung des Kunden, dass die Bank bei einer Empfehlung nur an sich selbst denkt und nicht an den Kunden? Vertrauen ist ein flüchtiges Gut. Wenn es einmal gestört ist, dauert es lange bis ein Unternehmen es mit Hilfe von Kommunikation wieder aufgebaut hat. Als ultima ratio bleibt dann oft nur noch die weiße Weste durch eine Namensänderung.

Am Ende der Veranstaltung wird auch die mediale Bedeutung oder eben Nichtbedeutung von Blogs und Twitter angesprochen. “Es sind da schon unglaubliche Banalitäten zu finden”. Unternehmen sollten versuchen, eine offene Kommunikation zu leben, die interne und externe Zielgruppen anspricht und keinesfalls kritische Beiträge zensieren. Nur wer auch kritische Stimmen ernst nimmt, kann Vertrauen wiedererlangen.

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communications consultant, media coach (http://t.co/OUCLyKITGB), producer (http://t.co/M2T4F9jple), tv journalist, traveler, climber, diver, ski & apple fan

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